Die Zielgruppen unseres Betreuten Wohnens

 

1. Menschen mit einer psychischen Erkrankung

Menschen mit einer psychischen Erkrankung sind in einem hohen Maße von einem chronischen Erkrankungsverlauf, sozialer Isolierung und Desintegration betroffen. Um den Teufelskreis von Wiedererkrankung, stationärer Krisenintervention und Abbruch der Weiterbehandlung zu unterbrechen, benötigen sie aufsuchende medizinische und psychische Hilfe im Umgang mit der Erkrankung und zur Sicherung von Behandlungskontinuität.

Ferner benötigen sie Unterstützung bei der alltäglichen Lebensführung, der Kommunikation, der Gestaltung sozialer Beziehungen, der Ausübung einer ihrer Leistungsfähigkeit angemessenen Tätigkeit oder der Erschließung ihren Tag strukturierenden Hilfeangebote, um in der Bürgerrolle zu bleiben bzw. sie wieder einnehmen zu können.

2. Menschen mit einer geistigen Behinderung

Bei Menschen mit dieser Beeinträchtigung besteht häufig eine zusätzliche Einschränkungen im Bereich der Motorik und der körperlichen Mobilität. Zum Beeinträchtigungsspektrum kann zusätzlich eine deutliche psychische Erkrankung und/oder ausgeprägte Verhaltensstörung bei eingeschränkten kommunikativen Fähigkeiten gehören. Das Angebot richtet sich an Menschen, auch mit komplexen Hilfebedarf, die nicht nur den Wunsch nach einer selbständigen Lebensführung haben sondern prognostisch auch über ausreichende Ressourcen zur Erreichung des Zieles mit ambulanter Unterstützung verfügen.

Die noch vorhandenen Ressourcen im Bereich Auffassung, Intelligenz, Gedächtnis und Orientierung müssen ausreichende Selbststeuerung sicherstellen, die das Einhalten minimaler Absprachen und damit eine berechenbare Hilfeannahme ermöglichen. Sowohl die kommunikativen als auch die psychosozialen Fähigkeiten sollten sich am Aufnahmeprofil einer Werkstatt für behinderte Menschen orientieren.

3. Menschen mit einer körperlichen Behinderung

Menschen mit dieser Beeinträchtigung, die mit ambulanter Unterstützung in der Gemeinde leben können, fehlt es häufig an gemeindenahen Alternativen zur Wohnsituation im Heim oder bei den Angehörigen. Gemeint sind hier Menschen mit einer Behinderung im Sinne des § 1 der Verordnung zum § 60 SGB XII, die nicht nur den Wunsch nach einer eigenständigen Lebensführung haben sondern diese Anforderungen trotz komplexen Hilfebedarfes prognostisch auch mit ambulanter Betreuung und Assistenz im Rahmen der Eingliederungshilfe und ergänzender Pflege (nicht oberhalb der Pflegestufe II) bewältigen können.

4. Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung

Menschen mit einer chronischen und mehrfach beeinträchtigenden Abhängigkeits-Erkrankung sind oft aufgrund ausgeprägter Störungen im körperlichen, psychischen, geistigen und sozialen Bereich nicht mehr in der Lage, angemessen für sich zu sorgen. Diese Menschen benötigen aufsuchende, ambulante Hilfe im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens, die Abstinenz zum Ziel und nicht zur Voraussetzung von Hilfe macht. Dabei kann es sich vom Grundmuster der Erkrankung um eine chronische Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten, illegalen Drogen oder auch um eine Mehrfachabhängigkeit handeln.

Unabhängig von der Erkrankung müssen alle Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation ausgeschöpft sein. Neben dem Wunsch nach einer eigenständigen Lebensführung muss eine ausreichend wahrnehmbare Motivation und Fähigkeit bestehen, an der Veränderung des Suchtverhaltens mitzuarbeiten, mit dem Ziel mehr Gesundheit und soziale Eingliederung zu erreichen. Im Rahmen des von uns organisierten Hilfeprozesses wird eine Verringerung des Suchtmittelkonsums bei Abstinenzorientierung und Übernahme stärkerer Eigenverantwortung angestrebt.

Die zu betreuenden Personen müssen im Rahmen von Rückfallprophylaxe, Krisenintervention und Rückfallbewältigung erreichbar sein. Je nach individueller Ausgangsituation orientieren wir uns hierbei an der in der psychosozialen Versorgung dieser Zielgruppe anerkannten Zielhierarchie nach Dirk Schwoon (Sicherung des Überlebens, Sicherung eines gesunden Überlebens, Sicherung der sozialen Umgebung gegen Beeinträchtigungen, Ermöglichung längerer Abstinenzphasen, Einkalkulieren und Einbeziehen von Rückfällen in die Behandlung, individuelle therapeutische Grenzziehung).